Kühlertausch auf einer ATI Radeon HD3850
Rechtlicher Hinweis / Garantieverlust
Die nachfolgende Erklärung ist ein Erfahrungsbericht und keine Anleitung oder Aufforderung zur Modifikation Ihrer Graphikkarte.
Ich übernehme keine Haftung für beschädigte Hardware und / oder aus der Anwendung dieser Hinweise entstandene Folgeschäden, welcher Art auch immer. Ich übernehme gleichlautend keinerlei Gewähr- oder Garantie für den von Ihnen durchgeführten Umbau! ACHTUNG:Bei den folgenden Eingriffen "in" die Hardware verlieren Sie jeglichen Garantie- und / oder Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Hersteller, sowie dem Händler!
Gliederung
1. Dauer
3. Einleitung - Warum das Alles ?
5. Originalkühler von der Karte trennen
10. Fazit
Dauer
ca. 30 - 40 Minuten maximal
Arbeitsmaterial
- Kreuzschlitz-Schraubendreher
- hochprozentiger Alkohol / nicht-ätzender Reiniger
- Wattestäbchen
- Wärmeleitpaste (z.B. Arctic Cooling MX-2)
- Kühlersystem (z.B. Zalman VF900-Cu)
Einleitung
"Warum das Ganze? Die Karte besitzt doch bereits einen Kühler, und der Hersteller hat sich sicher Gedanken über ein gutes Kühlkonzept gemacht." - Natürlich. Der Hersteller (in meinem Fall der größte Distributor von Radeon-Graphikkarten Sapphire) hat sich bestimmt nicht nur 5 Minuten mit dem Kühlkonzept der Karte beschäftigt. Allerdings stehen gerade Hersteller mit derart großen Produktionsmengen enorm unter dem Druck, die Herstellkosten pro Stück möglichst gering zu halten. Leider schlägt sich dies in der Qualität des Kühlers nieder.
Mir persönlich war der Kühler (besonders im 3D-Betrieb) eindeutig zu laut, nicht zu vergessen, dass die Temperatur nach einer gewissen Zeit deutlich die 70°C Marke überschritt. Nicht dass dieser Umstand für den Graphikchip oder die Karte selbst eine Gefahr dargestellt hätte, nur kann man pauschal behaupten: Kühle Chips leben länger.
Das Ziel dieser Umbauaktion ist nun schnell formuliert:
Geringere Lautstärke, geringere Temperatur, längere Lebensdauer.
Vorbereitungen
Wichtig ist, wie immer wenn man am Rechner bastelt, ist sich "zu erden". Heutzutage sind die Hersteller von Halbleiterplatinen aufgrund "neuer" Kriterien der EU, sowie der, zugegebenerweise, etwas lascheren Kriterien der USA, dazu angehalten, die Gefahr von ESD (Electrostatic Discharge) für die Bauteile zu minimieren, jedoch: sicher ist sicher.
Original-Kühler vom Board trennen
Um den Kühler der i.d.F. HD3850 von der Karte zu trennen, müssen nur auf der Rückseite acht (8) Schrauben gelöst werden. Nach Möglichkeit, um die physische Belastung der Karte niedrig zu halten, dabei die Schrauben immer abwechselnd zwei Umdrehungen lösen. Bitte nicht vergessen, vorher den 2-Pin-Spannungsanschluss des Kühlers aus seinem Port zu ziehen.
Nachdem die Schrauben gelöst sind, beherzt, aber mit Vorsicht und ohne rohe Gewalt, den Kühler von der Karte heben. Ich habe selbst etwa zwei Minuten gebraucht, bis ich mich wiederholt davon überzeugt hatte, dass alle Befestigungen gelöst sind, denn die Thermopads für die RAMs kleben doch überraschend fest auf den Speichersteinen und lassen vermuten, der Kühler wäre noch an einer Stelle festgeschraubt!
Chip-Oberflächen reinigen
Es empfiehlt sich vor der Montage des neuen Coolers die Oberflächen der Chips (GPU und RAM) zu reinigen (es muss kein Chanel sein), damit nach Abschluss der Operation ein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Dazu am Besten Wattestäbchen verwenden.
Das Board sollte nun ausreichend gereinigt sein und ist bereit für den nächsten Arbeitsschritt. Auf dem folgenden Bild habe ich bereits die Heatsinks, die dem Zalman Kühler VF900-Cu bereits beigelegt sind, für die Montage vorbereitet.
Heatsinks für RAM aufkleben
Wer vorher den Zalman VF900-CU bereits auf einer anderen Karte verbaut hat, muss wohl oder übel eine Packung ZM-RHS1 kaufen. Es empfiehlt sich nicht, die alten Heatsinks weiterzuverwenden, da die Thermopads wohl nicht mehr korrekt kleben werden. Von der Verwendung von Sekundenkleber etc. wird dringend abgeraten, da der Kleber unbedingt hitzebeständig sein muss!
Leider können die großen Heatsinks nicht verwendet werden, da sie nicht unter den VF900-CU passen. Diese sind offensichtlich für andere Graphikkarten entwickelt worden. Abschliessend sollte das Board dann so aussehen:
Montage des Zalman VF900-Cu (LED)
Wichtig sind hierbei nun drei Dinge:
- Wärmeleitpaste (optimal: Artic Cooling MX-2)
- PVC-Ringe (VF900-Cu Zubehör wird mitgeliefert)
- korrekte Position der Schrauben auf dem VF900-CU (s. Anleitung Zalman VF900-Cu)
Damit der Cooler auf die Karte passt, müssen die Schrauben des VF900-Cu in die entsprechenden Löcher geschraubt werden. Die korrekte Position lässt sich aus der Tabelle in der VF900-Cu Anleitung ablesen.
Für die Radeon Karten HD3850 und HD4850 ist Position 5 (ganz außen) erforderlich.
Nun die GPU, sowie aucheine etwa gleich große Fläche in der Mitte des VF900-Cu mit Leitpaste dünnbestreichen. Da ich noch etwa WLP vom Zalman CPU-Kühler CNPS9700NT übrig hatte, habe ich hierfür die Zalman ZM-STG1 benutzt und kann sie an vorbehaltlos empfehlen, sie hat offensichtlich hervorragende Leiteigenschaften.
Achtung:In der Anleitung des VF900-CU steht nun in etwa:
"Den Cooler auf die Karte setzen [...] Die Karten mit beiden Händen anfassen und umdrehen."
Von dieser Vorgehensweise rate ich ab!Sie ist erstens absolut unpraktisch und zweitens kann dabei wie so oft, einiges schief gehen, man mag es sich nicht vorstellen. Stattdessen den Cooler auf den Rücken legen und die Karte nun "falsch herum" auf den Cooler legen, wie aus obigem und folgenden Bild ersichtlich:
Die PVC-Ringe nun über die Gewindestangen legen (sie dienen dazu, dass die Federn der Schrauben nicht auf dem Board kratzen, siehe Bild oben).
Nun die sehr praktischen Schrauben anbringen und (exakt entsprechend der Zalman-Anleitung) die Schrauben abwechselnd jeweils eine Umdrehung anziehen. Die Kräfte bei ungleichmäßigen festziehen der Schrauben sind nicht zu unterschätzen. Hierzu lässt sich noch sagen: Nach fest kommt ab! Wenn man zwischen Daumen und Zeigefinger spürt, dass die Schraube schon relativ fest sitzt und nur mit noch mehr Aufwand als einer leichten Drehung anzuziehen ist, dann ist es genug!
Das Board sieht nun wie folgt aus:
Einbau und Systemstart
Wie üblich nun die Karte in den PCIe-16x Slot stecken, und die Stromversorgungen anschließen (Zalman an 3pin und HD3850 an 6pin PCIe-12V Stecker). Dann sich am leichten Leuchten des VF900-CU LED erfreuen, oder eben auch nicht, wenn es "nur" ein VF900-CU ist.
Die vorhandene Lüftersteuerung wird nun noch nach eigenem Gusto geregelt, aktuell läuft sie bei mir zwischen 1300 und 2000 rpm. In letzten Fall ist allerhöchstens ein leichtes Rauschen zu vernehmen.
Fazit
Die Lautstärke der HD3850 wird in vielen Tests als "leise" und "nicht störend" beschrieben, aber da muss ich klar sagen: Das ist ja wohl ein Witz! Die Sapphire HD3850 ist deutlich zu hören.
Die Karte läuft nun im Silent-Mode des VF900-CU (~1300rpm) und ist nahezu lautlos. Dabei ist die Kühlung ein weiterer Pluspunkt, der die Lebensdauer der Karte auch bei häufiger Vollbelastung und sogar übertaktung sichert:
| Serienkühler | Zalman VF900-Cu | |
| Temperatur Idle (°C) | 56 - 61 | 34 - 37 |
| Temperatur Last (°C) | 80 - 86 | 62 - 66 |
Die Investition in die Graphikkarte hat sich definitiv gelohnt, ich kann jedem nur den Umbau der HD3850 / HD3870 / HD4850 empfehlen.